Archiv für Oktober 2011

04. NOV 11 – SHACKLETON @ TIEFDRUCK, KLUB K HEIDELBERG

TIEFDRUCK HEIDELBERG
Tiefdruck ist der Wille zur Bewegung, ist die Beziehung zwischen Mensch und Musik, ist Bass in physischer Präsenz.

Shackleton – Musik aus dem Paralleluniversum

Musik und Kunst im Allgemeinen ist in der Lage, Bedeutungen auszudrücken, die hinter den strikten und eindeutigen Zuschreibungen von Sprache stehen. Die Musik von Shackleton kann genau das: Etwas kommunizieren, was sonst durch die verkürzende Welt der Wörter verdeckt wird.

Seine Musik, so vereinnahmend, so apokalyptisch, so fremdartig und gleichzeitig so vertraut wie die Protagonisten in einem David Lynch-Film, hat nicht nur mein Verständnis von Sound und immersiven Tanzerlebnissen geprägt, sondern vor allem meine komplette musikalische Ästhetik über Bord geworfen. Seine Musik gab mir die faszinierende Mystik und Energie zurück, die mir nach meiner Hardcoresozialisation abhanden gekommen zu sein schien. Sein Sound kreiert Vektoren, die den Rezipienten in ein Paralleluniversum transportieren, von dem man nie gedacht hätte, dass es überhaupt existiert.

Der englische Künstler verarbeitet in seiner Musik Elemente aus Dubstep, türkischer Saz-Musik, Progressive- und Krautrock sowie Techno zu einem Sound, dessen Zentrum durch die Ästhetik des Dubs und seinen endlosen Echos und Reverbs zusammengehalten wird. Stark verhallte Percussions, die klingen, als seien sie in einer riesigen Fabrikhallle aufgenommen, werden durch die stets präsente Basswand zum Zusammenspiel gezwungen und von dieser wiederum durch die glasklaren Tamburins herausgerissen. Klare Melodien bleiben aus, werden dafür aber stets angedeutet und stammen meistens von stark verfremdeten, aber akustischen Instrumenten wie etwa einem Akkordeon, einer Flöte und vor allem die eindringlich gespielten Tablas. Ein weiteres Beispiel dafür, dass durch seine Musik im Clubkontext die Hautoberfläche aufgrund der Kollision mit den Schallwellen zum zweiten Hörorgan wird.

Der dadurch entstehende Raum oder besser: die Leere in ihm gewinnt dadurch eine enorme Anziehungskraft, welche durch die immer wiederkehrenden Mantras verstärkt wird. Seine ekstatischen Livesessions klingen wie eine fünfköpfige Krautrockband (ohne schwitzende Hippies, die auf der Bühne esoterische Pseudorituale abhalten), die auf einer Reise durch den Nahen Osten King Tubby begegnet sind, der ihnen die Grundlagen des Dub predigt. Seine Tracks entfalten ihr wahres Potential erst auf der ganzen Länge seiner Livedarbietungen, bei denen er sich jedesmal selbst remixt. Und so wird der Mix selbst zu einem pulsierenden Lebewesen, welches ständig unterwegs ist, aber nie anzukommen scheint. Wie schon in einem anderen Artikel beschrieben habe, kreiert gerade seine Performance ein rhythmisches Kollektiv von Tanzenden. Das hat etwas sehr fundamentales, denn ein solches Kollektiv ist von jeglicher ideologischer und politischer Zugehörigkeit befreit und dadurch die elementarste Form menschlicher Zusammenkunft. Der Weg ist das Ziel, und der des Engländers ist einer der bewusstseinserweiternden in diesem Jahr. Text: Phire / Quelle: http://ntropy.de/?p=1134

Freitag, 04 November 2011 ab 24:00
-----------------------------------
TIEFDRUCK HEIDELBERG
KLUB K im Karlstorbahnhof Heidelberg
„Es ist wie Tiefseetauchen!“
Meditate on bass weight!

LOCATION