WASSERSTOFF: Formalist Grime

FORMALIST GRIME

FORMALIST GRIME ist der programmatische Titel der neuen WASSERSTOFF-Serie. In Referenz auf die Tradition der Ragga-7-inch (eine Reihe von Vinyl-Singles, die über denselben Beat verschiedene MCs passieren lässt) entstehen in Kooperation mit ausgewählten MCs Variationen über ein Thema. Am 1. Mai erscheint die erste Compilation dieser Art, FORMALIST!, auf Metrofon.

Der Berliner Musiker Christian Ogrinz, dessen Projekt WASSERSTOFF zuletzt das Minimal Dub-Album KREUZUNG auf Metrofon veröffentlichte, betrachtet die Serie als Chance, die kontinentaleuropäische Grime-Szene zu motivieren.
„Für MCs ist es eine Möglichkeit, unkompliziert ein Parallelprojekt zu starten. Die Abweichung vom Kurs erfolgt durch eine neue Kontextualisierung ihrer Raps und wirkt durch die internationale Konkurrenzsituation mit anderen Vocalisten belebend auf die eigene Arbeit. Ich wünsche mir, dass von FORMALIST GRIME neue Impulse ausgehen!
Was an der ganzen Sache „formalistisch“ ist? Die Arbeitssituation, die Genese der Tracks. Es treffen sich nicht alle im gleichen Keller und bauen das Ding. Es geht gewissermaßen um eine Vernetzung von Kellern. Von Zimmern und Studios. Um einen Kurzschluss von künstlerischen Konzepten und realen Persönlichkeiten. Das macht die Dynamik aus. Der stalinistische Kampfbegriff des „Formalismus“, der gegen die Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre gerichtet war und Hand in Hand mit dem schwülstigen „Sozialistischen Realismus“ ging, kann als Polemik verstanden werden, die auf eine sozialromantisierende „street credibility“ abzielt. Man soll sich da nichts vormachen: Rap ist nach wie vor ein Politikum, und Grime stellt wie HipHop einen realen politischen Akt dar.“

Amy J. Klement hat das Cover FORMALIST! gestaltet, auf dem die Künstlerin selbst zu sehen ist, indem sie ein bekanntes Propagandaplakat der USA aus dem 2. Weltkrieg zitiert. Die gebürtige Amerikanerin aus New Jersey lebt seit vielen Jahren in Berlin-Neukölln.
„Ich erforsche die Potentiale von Kreisen und Draht, Handwerken und Netzwerken, dabei missachte ich zielgerecht Grenzen von Genre und Disziplin. Ein wichtiger Faden, der sich durch meine Performancekunst und skulpturellen Werke zieht, ist die Ausübung von Handarbeit mit Geduld im öffentlichen Raum. Denn das ist eine Sache, die unsere Gesellschaft dringend braucht: Entschleunigung.“


Die Entschleunigung durch Ungleichzeitigkeit im FORMALIST GRIME führt von Berlin nach Hamburg zu Damn Dave und BenG von TOHUWABOHU.
„BenG und ich arbeiten seit 10 Jahren zusammen. Ich rappe, er macht die Beats und rapt. Angefangen haben wir mit HipHop, aber seit einigen Jahren kommen wir weg von diesem HipHop-Gefühl und haben unsere Arbeitsweise geändert. Die Beats sind jetzt mehr grimey mit fetter Bassline, und unsere Texte gehen eher nach außen, sind nicht mehr so introvertiert und selbstreflexiv wie früher. Das wird auch auf unserem neuen Album Lost in Grime deutlich. Man kann HipHop und Grime nicht so einfach auseinander dividieren, aber wir haben jetzt andere Prioritäten und versuchen die Szene in eine neue Richtung zu verändern, z.B. veranstalten wir mit dem Club 27 regelmäßig Parties: Wir betreten Neuland.“

FS DAN fabuliert im westpolnischen Poznan gleichsam das Blaue vom Himmel herunter. Sein aktionsbetontes Leben, das er zu einem beträchtlichen Teil auf seinem Fahrrad (das angeblich keine Bremsen hat!) verbringt, spiegelt sich auch in seinen aktionistisch-lautmalerischen Texten wider. Das mitten in Wiesz OCB aufscheinende deutsche Wort wunderbar spricht für sich selbst.
„Ich lebe im Bewusstsein, dass ich nur eine Chance habe. Ich beklage mich nicht, sondern folge meinem Instinkt. Also komm ich runter, und schreibe ein paar Verse zu einem Beat. Ganz im Ernst: Ich habe einfach nur die Möglichkeit, in den Club zu schneien, mir das Mike zu schnappen und mein Ding zu machen! Diesen Sommer noch wird mein neues Mixtape erscheinen.“

In Mainz am schönen Rhein ist FORM zuhause. Er bezeichnet sich selbst als Gutmensch im Streit um Die Entdeppung der Welt. Wir erleben den Albtraum einer Art gerappten Anti-Litanei, die wie im Fieberwahn Aspekte der Dummheit und Schlechtheit anprangert. Ein idealistisches Zeugnis?
„Keep it real – danach richte ich meine Arbeit aus. Ich habe die letzten Jahre viel Zeit im Ausland verbracht, gerade auch da, wo man sonst lieber keinen Urlaub macht, z.B. im Iran. Die Menschen, die ich dort getroffen habe, haben meinen Blick auf die Welt sehr erweitert und meine eigene Wahrnehmung stark geerdet. Ich versuche tatsächlich, etwas mit meinen Texten zu bewegen, und dazu muss ich das Kind beim Namen nennen. Im Mai erscheint mein neues Album Musik für Menschen.“

www.myspace.com/wasserstoffmusic

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